Mandelas verkommene Erben

Der Afrikanische National-Kongress (ANC) hat in Südafrika auf dem Weg zu mehr Demokratie schon längst den Rückwärtsgang eingelegt. Erst das Machtgerangel um den höchst populistischen Präsidenten Jacob Zuma, danach die zunehmenden Meldungen über Korruption und Vetternwirtschaft unter den ANC-Ministern und Führungsspitzen. Jüngster, trauriger Höhepunkt des Rückschritts bei der "Regenbogen-Nation" ist die Verabschiedung eines Pressegesetzes, das künftig die journalistische Enthüllung von Bestechung und Bestechlichkeit am Kap praktisch abwürgt. Eine Überraschung ist das nicht. Der ANC nutzt seine massive parlamentarische Mehrheit, um sein Spitzenpersonal nach Strich und Faden zu bedienen. Bestes Beispiel ist der Chef der ANC-Jugendliga, Julius Malema, der gerne mal kritische Journalisten aus dem Saal entfernen läßt und Fragen nach seinem plötzlichen Millionenvermögen mit schweren Beschimpfungen beantwortet. 

 

Rund zwanzig Jahre nach der politischen Wende am Kap der Guten Hoffnung und der Freilassung Nelson Mandelas ist das Land weit von dem entfernt, was der charismatische Führer des ANC einst erreichen wollte: Demokratische Verhältnisse, Herrschaft des Rechts und bessere Lebensbedingungen, insbesondere für den nicht-weißen Teil der Bevölkerung.

 

Nicht wenige Menschen aus allen Bevölkerungsgruppen in Südafrika fürchten bald eine Entwicklung wie in Zimbabwe. Dort, unter der Knute des Despoten Robert Mugabe, wurden weiße Farmer enteignet und ihr Besitz unter die Günstlinge des Prädidenten aufgeteilt. Die Folge: Zimbabwe hängt inzwischen, was die Sicherung der Ernährungsgrundlagen betrifft, am Tropf der internationalen Gemeinschaft.  Andersdenkende werden systematisch verfolgt, gefoltert und ermordet. Und viele ANC-Führer klatschen Mugabe noch Beifall. Was Nelson Mandela zu dieser Entwicklung im südlichen Afrika denkt, ist nicht bekannt.       

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